Dick, LeopoldFavennec, NoémieKing, Katelyn Rose2025-02-202025-02-2020249783931264970https://doi.org/10.24451/dspace/1143910.26045/kp64-6181https://arbor.bfh.ch/handle/arbor/44638Die relationale, gemeinschafts(ab)bildende Dimension von Musik steht im Zentrum des vorliegenden Bandes, dies insbesondere unter dem Aspekt der (De-)Konstruktion von Wir-Identitäten. Beiträge über aktuelles Musiktheater – vor allem, aber nicht nur in der Schweiz – bilden gleichsam das strukturelle Rückgrat der Publikation. Wir blicken aber auch über die engen Repertoiregrenzen hinaus auf benachbarte Phänomene und Praktiken der zeitgenössischen Musik sowie auf Schnittstellen zur Laien- und Volkskultur. In den Blick geraten sowohl ästhetische Phänomene, Konzepte, kreative Prozesse, performative Hervorbringungen und (symbolische) Bilder als auch soziokulturelle und politische Rahmungen. Die grosse Bandbreite an Fallbeispielen, Erkenntnisinteressen und methodischen Vorgehen spiegelt sich nun in der Komposition des Buches: Entstanden ist ein buntes Mosaik an verschiedenartigen Zugängen zu dem schillernden Phänomen Musicking, das sich freilich an einer gemeinsamen Blickachse orientiert. Sämtliche Autor:innen gehen davon aus, dass Musicking als gemeinsames Tun zwangsläufig verschiedene Arten von Gemeinschaften hervorbringt und diese gleichzeitig symbolisch mit Bedeutung auflädt. Aus dieser Perspektive wird Musicking immer auch zum gesellschaftlichen Projekt kollektiver Selbstbefragungen. Deren Effekt – das heißt Konsequenz und Produkt – ist ein Wir-Bewusstsein des Kollektivs. Entsprechend verschränken sich in unserem Buch ästhetische Betrachtungen durchwegs mit Aspekten von Gesellschaftsanalyse. Was die Beiträge ferner verbindet, ist das Interesse an Beispielen von Musicking, die kollektives Wir-Bewusstsein auf komplexe, dialektische Art verhandeln. Nicht das eindimensional affirmative, womöglich gar von Obrigkeiten verordnete An- und Aufrufen eines Wir-Gefühls – wie zum Beispiel beim gemeinsamen Singen von Nationalhymnen bei öffentlichen Anlässen – steht bei uns im Vordergrund, sondern die vielschichtige und oft widersprüchliche Verschlüsselung, mithin: Codierung, von Wir-Identitäten mit ästhetischen und performativen Mitteln. Auf den Prüfstand kommen daher komplizierte Geflechte von künstlerischen Musikpraktiken, durch die das Wir-Bewusstsein bestimmter Gruppen evoziert, aufrechterhalten, problematisiert, dargestellt oder weitergegeben wird.deMusicking Collective. Codierungen kollektiver Identität in der zeitgenössischen Musikpraxis der Schweiz und ihrer Nachbarländerbook