Buchvernissage «Schlafend unter Wölfen» mit Einführung durch die Herausgeber*innen Wolfgang Brückle und Rachel Mader und Lesung in der Ausstellung
Version
Published
Date Issued
2023-08-26
Author(s)
Type
Conference Paper
Language
German
Abstract
Luzia Hürzeler interessiert sich für Wölfe und die menschlichen Reaktionen auf ihre Anwesenheit, neben anderen bekannten Tieren. Das erste Vorkommen von "How to Sleep Among Wolves" fand 2014 in Form einer Videoinstallation statt, in der Luzia Hürzeler ein Mitarbeiter des Zürcher Zoos das Wort erteilte, wo sie "unter den Wölfen schlafen" wollte. Ein Jahr später entstand aus diesem Austausch eine Skulptur von Rudolf Rempler (1953-2020), für die die Künstlerin ihren eigenen Körper als Modell wählte. Als schlafend dargestellt, sollte die Skulptur im Wolfsgehege aufgestellt werden. Ihr Gesuch wurde jedoch vom Zoo Zürich abgelehnt, und das Projekt wurde nie vollendet. Seither hat die Künstlerin die Idee nicht aufgegeben, diese Skulptur an einem geeigneten Ort ausserhalb eines Museums oder einer Galerie zu platzieren, der zu weit vom natürlichen Lebensraum der Tiere entfernt ist. Ein Jahrzehnt später, im Szilassy-Park, nimmt "How to Sleep Among Wolves 2" eine andere Form an. Zum ersten Mal hat Luzia Hürzeler ihre Skulptur für einen Tag ins Freie gelegt, um sie zu fotografieren. Dieses Standbild eines schwebenden Moments wird während der viereinhalb Monate dauernden Ausstellung von einem speziellen Beobachtungsposten aus zu sehen sein. Man muss sich auf diesen hinter Büschen versteckten Jagdsitz setzen, um durch einen Feldstecher zu schauen und das einige Meter tiefer schlafende Doppel der Künstlerin zu beobachten. Werden sich Tiere nähern oder an diesem friedlichen Ort am Rande der Bäume schlafen? Die Antwort auf diese Frage bleibt unserer Fantasie überlassen. Und es liegt an uns, die Rolle des Beobachters einer Begegnung zwischen Menschen und Tier im zerbrechlichen und intimen Moment des Schlafes zu übernehmen. In diesem Park, der im englischen Stil des 18. Jahrhunderts angelegt wurde und die Natur nachahmt, während er entlang des Weges wahre Gemälde in die Landschaft zeichnet, bietet uns die Künstlerin zusätzliche Blickwinkel. Zusätzlich zum Bildausschnitt der ruhenden Skulptur wurden zwei Fotografien in alte Bilderrahmen integriert, die aus dem Holzpavillon des Parks geborgen wurden. Auf diesen Bildern tritt der laufende Prozess der Entstehung der Skulptur in einen Dialog mit dem Wolfsgehege im Zoo Zürich. Das Buch Schlafend unter Wölfen fügt sich dem Ganzen hinzu und begleitet die Skulptur und fragt, warum sie nicht im Zoo aufgestellt werden konnte:
Der Zoo ist eine Einrichtung des Menschen für das Tier und für ihn selbst. Luzia Hürzeler hat diese Koexistenz am Beispiel des Wolfsgeheges im Zoo Zürich untersucht. Ausgangspunkt war die Absicht, ein lebensgroßes skulpturales Abbild ihrer selbst – schlafend – auf dem Hügel, der den Wölfen oft als Schlafplatz dient, zu platzieren. Das Ansinnen wurde abgelehnt, was der Künstlerin zum Anlass wurde zu erforschen, welche Vorstellungen des Mensch-Tier-Verhältnisses in der Ausstellungsanlage verkörpert werden. Hürzeler stellt dar, welche ›Bilder‹ durch Einblicke ins Gehege präsentiert werden, wie ›Legenden‹ auf dem Tierschild auf sie hinweisen und welche ›Arbeit an den Bildern‹ dafür erforderlich ist. Ausgehend von einer genauen Betrachtung der räumlichen Anlage und den darin vollzogenen Handlungen sowie anhand von Gesprächen mit den unterschiedlichen menschlichen Akteuren im Zoo wird dargelegt, welche Konzepte von Natur und Kultur der Ausstellungsanlage des Zoos zugrunde liegen und in welche Beziehungen Mensch und Tier durch diese gesetzt werden.
Der Zoo ist eine Einrichtung des Menschen für das Tier und für ihn selbst. Luzia Hürzeler hat diese Koexistenz am Beispiel des Wolfsgeheges im Zoo Zürich untersucht. Ausgangspunkt war die Absicht, ein lebensgroßes skulpturales Abbild ihrer selbst – schlafend – auf dem Hügel, der den Wölfen oft als Schlafplatz dient, zu platzieren. Das Ansinnen wurde abgelehnt, was der Künstlerin zum Anlass wurde zu erforschen, welche Vorstellungen des Mensch-Tier-Verhältnisses in der Ausstellungsanlage verkörpert werden. Hürzeler stellt dar, welche ›Bilder‹ durch Einblicke ins Gehege präsentiert werden, wie ›Legenden‹ auf dem Tierschild auf sie hinweisen und welche ›Arbeit an den Bildern‹ dafür erforderlich ist. Ausgehend von einer genauen Betrachtung der räumlichen Anlage und den darin vollzogenen Handlungen sowie anhand von Gesprächen mit den unterschiedlichen menschlichen Akteuren im Zoo wird dargelegt, welche Konzepte von Natur und Kultur der Ausstellungsanlage des Zoos zugrunde liegen und in welche Beziehungen Mensch und Tier durch diese gesetzt werden.
Publisher URL
Project(s)
Schweizerischer Nationalfonds Projekt "Wir sind im Winterschlaf!"
Conference
Vivement demain !: 15e Triennale d'art contemporain, Bex & Arts
Submitter
Hürzeler, Luzia
Citation apa
Hürzeler, L., Mader, R., & Brückle, W. (2023). Buchvernissage «Schlafend unter Wölfen» mit Einführung durch die Herausgeber*innen Wolfgang Brückle und Rachel Mader und Lesung in der Ausstellung. Vivement demain !: 15e Triennale d’art contemporain, Bex & Arts. https://arbor.bfh.ch/handle/arbor/45150
