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Die leisen Klänge der Macht – Das Rebecchino im Kunsthistorischen Museum Wien

URI
https://arbor.bfh.ch/handle/arbor/43136
Version
Published
Date Issued
2021-06-19
Author(s)
Hirsch, Thilo  
Haiduk, Marina  
Type
Conference Paper
Language
German
Subjects

musicology

organology

art history

Alte Musik

Historische Aufführun...

Abstract
Auch wenn man bei der musikalischen Repräsentation höfischer Macht im
ersten Moment vielleicht eher an laute Instrumente wie Trompeten, Schalmeien
und Perkussionsinstrumente denkt, spielten auch die leiseren Streich- und
Zupfinstrumente an den Höfen des 15. und 16. eine wichtige Rolle. Einer dritten
Kategorie gehörten vielleicht jene Instrumente an, bei welchen die äusseren
Gestalt den Vorrang vor der akustischen Funktion hatte.
In der Sammlung alter Musikinstrumente des Kunsthistorischen Museums in
Wien, die auch mehrere Instrumente aus der Ambraser Kunstkammer Erzherzog
Ferdinands II. beinhaltet, befindet sich ein Rebecchino, dessen ursprünglich
Provenienz hingegen unbekannt ist. Obwohl nur der Korpus (ohne Decke und
Griffbrett) des Instruments erhalten ist, wurde dieser bisher, aufgrund einer
allgemeinen organologischen und kunsthistorischen Einschätzung, als italienische
Arbeit des 15. Jahrhunderts katalogisiert. Eine kritische Neuuntersuchung des
Instruments (inkl. Photogrammetrie und Röntgen) im Rahmen des “Rabab &
Rebec”-Projekts an der Hochschule der Künste in Bern war die Voraussetzung
für seine weitergehende organologische und kunstgeschichtliche Einordnung.
Dabei kam den geschnitzten Elementen auf den Seitenwänden des Korpus
eine besondere Rolle zu, da sie konkrete Hinweise auf die Originalgestalt des
Instruments lieferten.
In Verbindung mit ikonographischen Quellen aus dem 15. und frühen 16.
Jahrhundert (Italien und Süddeutschland) erscheint es sehr wahrscheinlich, dass
es sich beim Rebecchino ursprünglich um ein Instrument handelte, dessen unterer
Deckenbereich mit einem Tierfell als “Resonanzboden” bespannt war.
Da dieser spezielle Instrumententyp später nicht mehr belegt ist, erscheint eine
Datierung in das 15. und frühe 16. Jahrhundert aus organologischer Sicht sinnvoll.
Als mögliche Provenienz kommt jedoch neben Italien auch Süddeutschland in
Frage. Weitere Erkenntnisse zu einer möglichen Datierung und ursprünglichen
Funktion des Rebecchino lieferte die kunsthistorische Analyse des Instruments.
Die Besonderheit des Instrumentenkorpus ist seine skulpturale Ausarbeitung,
wobei die Rückseite fast flächendeckend eine plastisch angelegte nackte weibliche
Standfigur mit gelösten Haaren zeigt. Der angedeutete Impuls, den entblössten
Körper mit den Händen vor Blicken zu schützen, der dem Typus der Venus
pudica entspricht, bleibt hier jedoch unerfüllt, sind doch beide Brüste und auch
die Schamlippen weiterhin deutlich sichtbar. Zwei Elemente, die den Körper
gleichsam einrahmen, dienen dabei gleichzeitig zur Wahrung des decorum, die
doppelt um den Hals geschwungene Perlenkette mit dem Korallenanhänger
und die Plateauschuhe (Chopine). Die Weinranken, Früchte und Blüten der
geschnitzten Seitenwände unterstützen eine Deutung als Liebesgöttin Venus, ein
im 15. und 16. Jahrhundert äusserst beliebtes Sujet.
Obwohl es sich bei dem Rebecchino um ein spielbares Musikinstrument handelt,
ist aufgrund der minimalen Dimensionen seines Resonanzkörpers zu vermuten,
dass es nicht in erster Linie zum musikalischen Spiel gedacht war. Am
wahrscheinlichsten erscheint die Hypothese einer Inszenierung im Kontext einer
höfischen Kunst- oder Wunderkammer, in der Mirabilia verschiedener Gattungen
aufbewahrt wurden, die nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten enthüllt und
vorgeführt wurden. In einem solchen intimen Rahmen kann ein Instrument
wie das Rebecchino weltlichen Repräsentationsansprüchen genügen, indem es
– neben seiner symbolisch-humanistischen Bedeutungsebene – einem (wohl
meist männlichen) Besucher das exklusive Erlebnis der sinnlichen Berührung
ermöglicht: Sobald man das Instrument in Spielhaltung hält, transformiert es
sich ganz “zufällig” in ein erotisches Objekt, da Scham und Beine der Venus
direkt in der Greifhand des “Spielers” zu liegen kommen. Dabei dürfte der eher
leise Klang des Rebecchino wohl zweitrangig gewesen sein.
Subjects
M Music
Publisher URL
https://www.musik.unibe.ch/research/conferences/vergangene_tagungen/international_conference_sounds_of_power/index_eng.html
Related URL
https://www.musik.unibe.ch/unibe/portal/fak_historisch/dkk/musik/content/e39911/e155112/e178366/e1092581/e1082191/e1085024/Conferencebooklet_digital_ger.pdf
Organization
Hochschule der Künste Bern  
Institut Interpretation  
Aufführung und Interpretation  
Musikinstrumente  
Project(s)
Rabab & Rebec: Erforschung von fellbespannten Streichinstrumenten des späten Mittelalters und der frühen Renaissance und deren Rekonstruktion
Conference
Sounds of Power - Sonic Court Rituals In- and Outside Europe in the 15th - 17th Centuries
Submitter
HirschT
Citation apa
Hirsch, T., & Haiduk, M. (2021). Die leisen Klänge der Macht – Das Rebecchino im Kunsthistorischen Museum Wien. Sounds of Power - Sonic Court Rituals In- and Outside Europe in the 15th - 17th Centuries. https://arbor.bfh.ch/handle/arbor/43136
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