Pflegeethik und ärztliche Ethik: gemeinsame Fragen – unterschiedliche Antworten?
Version
Published
Date Issued
2009-03
Author(s)
Type
Article
Language
German
Abstract
Die ethische Reflexion beruflichen Handelns am kranken und pflegebedürftigen Menschen ist so alt wie die Kunst des Heilens und Sorgens selbst. Vergleicht man Publikationen zur ärztlichen und pflegerischen Ethik, fällt auf, dass erstere in den letzten 60
Jahren verstärkt thematisiert wurde, währenddessen die explizite Reflexion über Ethik
in der Pflege vergleichsweise zögerlich vorankam. Dort, wo Entwicklungen und Erwartungen an die Medizin vor allem ärztliches Handeln betrafen, leuchtet dies auch
ein. Trotzdem kann Pflegeethik nicht einfach als „jüngere Schwester“ ärztlicher Ethik
bezeichnet werden, denn sie schöpft aus grundlegend anderen Traditionen, wie etwa
die kommunale und karitative Fürsorge und Visionen einer Solidargemeinschaft von
Gesunden und Kranken. Heutzutage sind es genau diese Traditionen, die angesichts
der Umverteilung von Ressourcen, der Rationalisierung und Rationierung von Gesundheitsleistungen neu thematisiert werden.
Die „heilende“ und die „sorgende“ Zuwendung zum kranken Menschen zusammen
zu betrachten sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten von ärztlicher Ethik und
Pflegeethik zu beleuchten, war das Ziel des Kolloquiums der SGBE, das am 4. Dezember 2008 im Wildt’schen Haus in Basel stattfand. Konsens bestand unter den
Teilnehmenden des Kolloquiums darin, dass ärztliche Ethik und Pflegeethik keine exklusiven Sichtweisen sind, sondern für unterschiedliche Zugänge zum Menschen stehen, die nicht an Berufsgruppen „fixiert“ werden dürfen. Die „heilende“ und die
„sorgende“ Zuwendung stellen vielmehr komplementäre Perspektiven dar. Diese
Ausgabe des SGBE-Bulletins vereinigt verschiedene Stimmen, welche am Kolloquium
zu Wort kamen, aber auch weitere. Im 1. Teil (interdisziplinäre Grundlagen) beleuchten Nikola Biller-Andorno (Zürich) und Settimio Monteverde (Basel) konzeptionelle
Aspekte ärztlicher und pflegerischer Ethik, Chris Gastmans (Leuven) geht der Frage
nach, wie sich eine integrierte health care ethics implementieren lässt. Im 2. Teil (Reflexionen aus der Praxis) zeigen Regula Spreyermann und Mark Mäder (Basel) auf, welche konkreten Implikationen das tradierte ärztliche Ethos auf den beruflichen Alltag
hat. Brigitte Garessus (Basel) beleuchtet die berufspolitische Dimension von Pflegeethik, Claudine Braissant (Belmont) und Bianca Schaffert-Witvliet (Mägenwil) stellen
die Entwicklung von Pflegeethik in der Schweiz anhand der Tätigkeit der Ethikkommission des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und -männer (SBK) dar. Konkretionen interdisziplinärer ethischer Entscheidungsfindung beschreiben Ursi Barandun Schäfer und Reto Paganoni (Olten) im Bezug auf die Intensivmedizin, Norbert
Steinkamp und Maarten Van Woelderen (Nijmwegen) im Bezug auf die Psychiatrie.
Jahren verstärkt thematisiert wurde, währenddessen die explizite Reflexion über Ethik
in der Pflege vergleichsweise zögerlich vorankam. Dort, wo Entwicklungen und Erwartungen an die Medizin vor allem ärztliches Handeln betrafen, leuchtet dies auch
ein. Trotzdem kann Pflegeethik nicht einfach als „jüngere Schwester“ ärztlicher Ethik
bezeichnet werden, denn sie schöpft aus grundlegend anderen Traditionen, wie etwa
die kommunale und karitative Fürsorge und Visionen einer Solidargemeinschaft von
Gesunden und Kranken. Heutzutage sind es genau diese Traditionen, die angesichts
der Umverteilung von Ressourcen, der Rationalisierung und Rationierung von Gesundheitsleistungen neu thematisiert werden.
Die „heilende“ und die „sorgende“ Zuwendung zum kranken Menschen zusammen
zu betrachten sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten von ärztlicher Ethik und
Pflegeethik zu beleuchten, war das Ziel des Kolloquiums der SGBE, das am 4. Dezember 2008 im Wildt’schen Haus in Basel stattfand. Konsens bestand unter den
Teilnehmenden des Kolloquiums darin, dass ärztliche Ethik und Pflegeethik keine exklusiven Sichtweisen sind, sondern für unterschiedliche Zugänge zum Menschen stehen, die nicht an Berufsgruppen „fixiert“ werden dürfen. Die „heilende“ und die
„sorgende“ Zuwendung stellen vielmehr komplementäre Perspektiven dar. Diese
Ausgabe des SGBE-Bulletins vereinigt verschiedene Stimmen, welche am Kolloquium
zu Wort kamen, aber auch weitere. Im 1. Teil (interdisziplinäre Grundlagen) beleuchten Nikola Biller-Andorno (Zürich) und Settimio Monteverde (Basel) konzeptionelle
Aspekte ärztlicher und pflegerischer Ethik, Chris Gastmans (Leuven) geht der Frage
nach, wie sich eine integrierte health care ethics implementieren lässt. Im 2. Teil (Reflexionen aus der Praxis) zeigen Regula Spreyermann und Mark Mäder (Basel) auf, welche konkreten Implikationen das tradierte ärztliche Ethos auf den beruflichen Alltag
hat. Brigitte Garessus (Basel) beleuchtet die berufspolitische Dimension von Pflegeethik, Claudine Braissant (Belmont) und Bianca Schaffert-Witvliet (Mägenwil) stellen
die Entwicklung von Pflegeethik in der Schweiz anhand der Tätigkeit der Ethikkommission des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und -männer (SBK) dar. Konkretionen interdisziplinärer ethischer Entscheidungsfindung beschreiben Ursi Barandun Schäfer und Reto Paganoni (Olten) im Bezug auf die Intensivmedizin, Norbert
Steinkamp und Maarten Van Woelderen (Nijmwegen) im Bezug auf die Psychiatrie.
Subjects
BJ Ethics
R Medicine (General)
RT Nursing
Journal
SGBE Bulletin SSEB
ISSN
1662-6079
Organization
Volume
58
Publisher
Schweizerische Gesellschaft für Biomedizinische Ethik
Submitter
Monteverde, Settimio
Citation apa
Monteverde, S. (2009). Pflegeethik und ärztliche Ethik: gemeinsame Fragen – unterschiedliche Antworten? In SGBE Bulletin SSEB (Vol. 58). Schweizerische Gesellschaft für Biomedizinische Ethik. https://doi.org/10.24451/arbor.12195
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Name
Bull 58.pdf
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Publisher
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Size
1.82 MB
Format
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Checksum (MD5)
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