Saitenherstellung in Markneukirchen und im Vogtland
Version
Published
Date Issued
2019-11
Type
Book
Language
German
Abstract
Musik für Streich- und Zupfinstrumente erklang bis weit ins 20. Jahrhundert hinein fast ausschliesslich auf Darmsaiten. Nicht nur alle Instrumente der Violinfamilie, sondern auch Gitarren, Zithern und Harfen wurden mit Darmsaiten bespannt. Sogar die Bespannung von Tennisschlägern und das chirurgische Nahtmaterial, ›Catgut‹ genannt, bestanden aus Naturdarmsaiten. Da es sich bei diesen Saiten um ein Verbrauchsmaterial handelt, war der Bedarf immens. Durch den im 19. Jahrhundert stetig wachsenden Musikmarkt stieg dieser Bedarf unaufhaltsam und mit ihm die marktbeherrschende Stellung der Markneukirchner Saitenmacherei, die durch geschickte Erweiterung ihrer Bezugsquellen für Rohmaterial und durch Weiterentwicklung ihrer Handwerksmethoden mit dem Wachstum mithalten konnte. So deckten Saiten aus Markneukirchen um 1900 den grössten Teil des weltweiten Bedarfs an Darmsaiten.
Heute sind unbesponnene Darmsaiten zu einem Nischenprodukt für die historische Aufführungspraxis geworden, wo historische Instrumente und ihre Spieltechniken mit grossem Aufwand und Anspruch an ›Originalklang‹ wiederbelebt werden. Dies betrifft nicht nur die Musik des Barock, sondern erstreckt sich längst schon auf die Wiener Klassik und die Romantik, ja selbst auf die ›authentische‹ Wiedergabe von Musik des frühen 20. Jahrhunderts, einschliesslich des Retro-Jazz, bei dem nicht nur Kontrabässe, sondern auch Jazz-Gitarren mit historischen Darmsaiten bezogen werden. Durch die hohen Ansprüche dieses historisch informierten Zugangs haben sich natürlich auch die Erwartungen an das Saitenmaterial gewandelt, die sich nicht nur auf Dauerhaftigkeit und Handhabung, sondern eben auch auf die Authentizität der Saiten beziehen. Das einstige Massenprodukt ist heute eine kunsthandwerkliche Spezialität, für die der vorliegende Band das Bewusstsein schärfen und das verfügbare historische Wissen bereitstellen soll.
Heute sind unbesponnene Darmsaiten zu einem Nischenprodukt für die historische Aufführungspraxis geworden, wo historische Instrumente und ihre Spieltechniken mit grossem Aufwand und Anspruch an ›Originalklang‹ wiederbelebt werden. Dies betrifft nicht nur die Musik des Barock, sondern erstreckt sich längst schon auf die Wiener Klassik und die Romantik, ja selbst auf die ›authentische‹ Wiedergabe von Musik des frühen 20. Jahrhunderts, einschliesslich des Retro-Jazz, bei dem nicht nur Kontrabässe, sondern auch Jazz-Gitarren mit historischen Darmsaiten bezogen werden. Durch die hohen Ansprüche dieses historisch informierten Zugangs haben sich natürlich auch die Erwartungen an das Saitenmaterial gewandelt, die sich nicht nur auf Dauerhaftigkeit und Handhabung, sondern eben auch auf die Authentizität der Saiten beziehen. Das einstige Massenprodukt ist heute eine kunsthandwerkliche Spezialität, für die der vorliegende Band das Bewusstsein schärfen und das verfügbare historische Wissen bereitstellen soll.
Subjects
M Music
ML Literature of music
ISBN
978-3-9819816-1-2
Series/Report No.
Meisterleistungen deutscher Instrumentenbaukunst
Organization
Volume
8
Publisher
Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen / HKB
Submitter
Allenbach, Daniel
Citation apa
Köpp, K., Achtman, J. V., & Gebauer, P. J. (Eds.). (2019). Saitenherstellung in Markneukirchen und im Vogtland (Vol. 8). Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen / HKB. https://doi.org/10.24451/arbor.8999
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Name
Darmsaiten.pdf
License
Publisher
Version
published
Size
28.25 MB
Format
Adobe PDF
Checksum (MD5)
c1b4bc1c16ba03afa18653eca25f8c36
