Der Umgang mit „second victims“ als organisationsethische Aufgabe.
Version
Published
Date Issued
2017
Author(s)
Schiess, Cornel
Type
Article
Language
German
Abstract
Zwischenfälle, Behandlungsfehler und tragische Verläufe können im Medizinalltag schwerwiegende Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten
haben („first victims“), aber auch auf beteiligte Gesundheitsfachpersonen („second
victims“). Don Berwick, ehemaliger Leiter des Institute for Healthcare Improvement
in Boston (USA), hob in einem Interview die Unterstützung von „second victims“ als
„ethische Angelegenheit“ hervor. Es besteht aber keine Klarheit darüber, was darunter zu verstehen ist. Der vorliegende Beitrag unternimmt eine Klärung dieser Frage
aus der Perspektive der Organisationsethik. Ausgehend von Daten aus der Literatur
zur Wirksamkeit der Unterstützung von „second victims“ werden Herausforderungen beschrieben und aus organisationsethischer Sicht beurteilt. Es gibt Hinweise,
dass Angebote der Unterstützung von „second victims“ zwar bestehen, aber nicht
wirksam genug sind, um die psychischen Folgen von unerwünschten Ereignissen zu
bewältigen. Dies wirkt sich auf betroffene Fachpersonen negativ aus und kann zu
einer erneuten Gefährdung der Patientensicherheit führen. Angesichts dieser Befunde bedarf es eines organisationsethischen Ansatzes, um Don Berwicks Forderung
nachzukommen, den Umgang mit „second victims“ als „ethische Angelegenheit“
wahrzunehmen. Dieser Ansatz fördert die Kongruenz zwischen den deklarierten
und den faktisch gelebten Werten der Organisation. Sein normatives Fundament besteht in den Fürsorgepflichten der Organisation, gegenüber Patientinnen, Patienten
und Mitarbeitenden. Die Organisationsethik ermöglicht es, die Unterstützung von
„second victims“ verbindlich und sichtbar in der Sicherheitskultur der Organisation zu verankern. Sie konkretisiert sich in ihrer Verpflichtung, für die Mechanismen
der Entstehung des Phänomens zu sensibilisieren und Ressourcen bereitzustellen, die
einen effektiven Umgang damit ermöglichen. Dazu gehören evidenzbasierte ethische
Leitlinien, standardisierte Prozesse, Schulungen sowie niederschwellige CoachingAngebote.
Schlüsselwörter „Second victim“ · Patientensicherheit · Organisationsethik ·
Unerwünschte Ereignisse · Behandlungsfehler · Sicherheitskultur
haben („first victims“), aber auch auf beteiligte Gesundheitsfachpersonen („second
victims“). Don Berwick, ehemaliger Leiter des Institute for Healthcare Improvement
in Boston (USA), hob in einem Interview die Unterstützung von „second victims“ als
„ethische Angelegenheit“ hervor. Es besteht aber keine Klarheit darüber, was darunter zu verstehen ist. Der vorliegende Beitrag unternimmt eine Klärung dieser Frage
aus der Perspektive der Organisationsethik. Ausgehend von Daten aus der Literatur
zur Wirksamkeit der Unterstützung von „second victims“ werden Herausforderungen beschrieben und aus organisationsethischer Sicht beurteilt. Es gibt Hinweise,
dass Angebote der Unterstützung von „second victims“ zwar bestehen, aber nicht
wirksam genug sind, um die psychischen Folgen von unerwünschten Ereignissen zu
bewältigen. Dies wirkt sich auf betroffene Fachpersonen negativ aus und kann zu
einer erneuten Gefährdung der Patientensicherheit führen. Angesichts dieser Befunde bedarf es eines organisationsethischen Ansatzes, um Don Berwicks Forderung
nachzukommen, den Umgang mit „second victims“ als „ethische Angelegenheit“
wahrzunehmen. Dieser Ansatz fördert die Kongruenz zwischen den deklarierten
und den faktisch gelebten Werten der Organisation. Sein normatives Fundament besteht in den Fürsorgepflichten der Organisation, gegenüber Patientinnen, Patienten
und Mitarbeitenden. Die Organisationsethik ermöglicht es, die Unterstützung von
„second victims“ verbindlich und sichtbar in der Sicherheitskultur der Organisation zu verankern. Sie konkretisiert sich in ihrer Verpflichtung, für die Mechanismen
der Entstehung des Phänomens zu sensibilisieren und Ressourcen bereitzustellen, die
einen effektiven Umgang damit ermöglichen. Dazu gehören evidenzbasierte ethische
Leitlinien, standardisierte Prozesse, Schulungen sowie niederschwellige CoachingAngebote.
Schlüsselwörter „Second victim“ · Patientensicherheit · Organisationsethik ·
Unerwünschte Ereignisse · Behandlungsfehler · Sicherheitskultur
Subjects
BJ Ethics
HD61 Risk Management
R Medicine (General)
Publisher DOI
Journal or Serie
Ethik in der Medizin
ISSN
0935-7335
Organization
Volume
29
Issue
3
Publisher
Springer
Submitter
Monteverde, Settimio
Citation apa
Monteverde, S., & Schiess, C. (2017). Der Umgang mit „second victims“ als organisationsethische Aufgabe. In Ethik in der Medizin (Vol. 29, Issue 3, pp. 187–199). Springer. https://doi.org/10.24451/arbor.12155
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Name
Monteverde-Schiess2017_Article_DerUmgangMitSecondVictimsAlsOr.pdf
License
Publisher Natlic
Version
published
Size
218.09 KB
Format
Adobe PDF
Checksum (MD5)
92f3285313539b9ba275fdfa8b7b5712
