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Aquakultur – Möglichkeit zur Diversifikation in der Schweizer Landwirtschaft?

URI
https://arbor.bfh.ch/handle/arbor/40740
Version
Published
Date Issued
2019-04-04
Author(s)
Janssens, Thomas  
Zaugg, Thomas
Götze, Franziska  
Type
Conference Paper
Language
German
Abstract
Kontext/theoretischer Hintergrund/Forschungsfragen Die politischen Rahmenbedingungen sowie die Konsumentinnen und Konsumenten legen vermehrt Wert auf eine naturnahe und ressourcenschonende Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. In der Schweiz ist der Fischkonsum in den vergangenen Jahren gestiegen (8.6 kg pro Kopf und Jahr im Jahr 2017, Tendenz weiter steigend; Proviande, 2018). Trotzdem wird bislang nur ein kleiner Anteil des in der Schweiz verkauften Fischs (3.4% im Jahr 2017; BLW, 2018) auch dort produziert. Die Schweizer Fischbranche steht unter Druck von Importen und die technischen Fähigkeiten sind noch begrenzt. So existieren zum Beispiel nur wenige Anlagenbauer und die Weiterbildungsmöglichkeiten sind beschränkt. Andererseits werden lokal produzierte Lebensmittelgeschätzt und die derzeit geringe Fischproduktion bietet interessante Wachstumsperspektiven. Die landwirtschaftliche Aquakultur befindet sich in der Schweiz jedoch noch in einer Nische. Ziel dieser Studie ist es, die inländische landwirtschaftliche Fischproduktion aus strategischer Sicht zu untersuchen und Perspektiven für drei verschiedene Fischarten (Karpfen, Egli, Krevetten) aufzuzeigen.MethodeUm die Kernfragen dieser empirischen Arbeit zu beantworten, d.h. die landwirtschaftliche Aqua-kulturindustrie aus strategischer Sicht zu untersuchen, sowie Produktionsstrategien für Krevetten, Egli und Karpfen unter anderem in Bezug auf Schwierigkeitsgrad der Haltung, Zeitaufwand, Investitionsvolumen sowie Vermarkungspotential aufzuzeigen, wurden eine Literaturrecherche sowie fünf leitfadengestützte Experteninterviews (mit je zwei Karpfen- und Egliproduzenten sowieeinem Krevettenproduzenten) durchgeführt. Die Erkenntnisse aus den Experteninterviews wurden dazu verwendet, unter anderem mittels 5-Kräfte Modell nach Porter die Wertschöpfungskette zu analysieren, Geschäftsmodelle für die einzelnen Fischarten mittels Business Model Canvas zu erarbeiten und anhand einer Risikomatrix bereits bestehende sowie zukünftige Risiken und Gefahren für landwirtschaftliche Fischproduzenten zu eruieren. ResultateDie Ergebnisse zeigen auf, dass vor allem die Konkurrenz aus dem Ausland sowie die inländische industrielle Fischproduktion die landwirtschaftliche Aquakulturbranche konkurrenzieren. Obwohl sich die Fischarten unter anderem bezüglich der Haltung, des Investitionsvolumens sowie des Arbeitsaufwands deutlich unterscheiden, konnten im Bereich der Marktpositionierung keine Unterschiede festgestellt werden. Die Ergebnisse verdeutlichten, dass sich sowohl die Egli- als auch die Krevetten- und Karpfenproduktion in einer strategischen Nische befinden und sich entsprechend auf einen Teilmarkt konzentrieren. Eine Abdeckung des Gesamtmarkts ist in der Schweiz aufgrund des hohen Preisniveaus sowie der beschränkten Produktionsmenge, die zumeist direkt vermarktet wird, nicht möglich. Als Risikofaktor für die landwirtschaftlichen Aquakulturbetriebe werden von den Befragten die Lieferanten gesehen. Gerade im Bereich der Setzlinge sind die Egli- sowie
Krevettenproduzenten hauptsächlich auf ausländische Lieferanten angewiesen. Für dieKrevettenproduktion exportiert sogar nur eine Firma Jungtiere in die Schweiz.Der vegetarische Fisch Karpfen eignet sich optimal für landwirtschaftliche Betriebe. Seine Anspruchslosigkeit bezüglich der Haltung, die hohe Verfügbarkeit von Setzlingen, die tiefen Anlagen- und Installationskosten sowie die Möglichkeit zum Einsatz von hofeigenem Futter machen ihnzurecht zu einer beliebten Art in der landwirtschaftlichen Fischproduktion. Der Egli hingegen erzielt im Vergleich zum Karpfen deutlich höhereVerkaufspreise. Verbunden mit attraktiven Renditeaussichten sind jedoch mit der Egli- und der Krevettenproduktion höhere Installations- undArbeitskosten verbunden. Die Haltung von Krevetten ist anspruchsvoll und setzt ein grosses Wissen im Bereich der Aquakultur voraus. Für landwirtschaftliche Betriebe sind vor allem industrielle Mitkonkurrenten, der massive Import sowie der Mangel an Beratungsmöglichkeiten in der Fisch- und Krustentierhaltung ein nicht zu unterschätzendes Risiko.SchlussfolgerungenDie Erkenntnisse dieser Arbeit zeigen auf, dass die Aquakultur eine interessante Diversifikations-möglichkeit für landwirtschaftliche Betriebe sein kann. Aufgrund der Vielfältigkeit der untersuchten Arten sowie der spezifischen Anforderungen gilt es die Wahl der Fisch- bzw. Krustentierart individuell und hofspezifisch zu prüfen. Bevor die geplante Fisch- oder Krustentierart ausgewählt wird, sollte der Betriebsleiter bzw. die Betriebsleiterin sich zudem intensiv mit der Vermarktung sowie den potentiellen Lieferanten auseinandersetzen. Ob nur die Mast oder auch die Verarbeitung und Vermarktung auf dem Hof stattfinden sollen, ist eine wichtige strategische Frage. Letztere Entscheidung wird den täglichen Arbeitsanfall deutlich beeinflussen. Werden die Produkte über bestehende Verkaufskanäle an Zwischenhändler verkauft, empfiehlt es sich, langfristige Verträge mit klaren Absatzmengen und Preisen festzulegen.
Subjects
S Agriculture (General)
DOI
10.24451/arbor.9855
https://doi.org/10.24451/arbor.9855
Publisher URL
http://sse-sga.ch/-/sga-tagung/2019_-_waedenswil/index.html
Organization
Konsumentenorientierte Lebensmittelproduktion  
Ressourceneffiziente landwirtschaftliche Produktionssysteme  
Agronomie  
Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften  
Conference
Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Agrarwirtschaft und Agrarsoziologie (SGA)
Submitter
Götze, Franziska
Citation apa
Janssens, T., Zaugg, T., & Götze, F. (2019). Aquakultur – Möglichkeit zur Diversifikation in der Schweizer
Landwirtschaft?
Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Agrarwirtschaft und Agrarsoziologie (SGA). https://doi.org/10.24451/arbor.9855
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